Bengt Krauß Gastredner über Führung 4.0 beim RKW Hessen e.V.

Auch Industrie 4.0 kommt nicht gänzlich ohne Menschen aus. Deshalb bleibt Mitarbeiterführung ein wichtiges Thema: Ist Jogi Löws Führungsstil der Fußballnationalmannschaft noch zeitgemäß und was können wir aus der Flüchtlingskrise über Mitarbeiterführung lernen? Zwei Fragen aus einem Vortrag. Das RKW Hessen e.V. hatte angefragt, wie wir von ILTIS die Zukunft der Führung in Unternehmen und öffentlicher Verwaltung einschätzen. Bengt Krauß sprach dazu im Juli 2016 auf der jährlichen Mitgliederversammlung des RKW in Offenbach vor rund 130 Gästen.

Zur Führungskraft Löw: Fußballexperte Mehmet Scholl hatte den Bundestrainer für seine Mannschaftsaufstellung gegen den deutschen Viertelfinalangstgegner Italien kritisiert. Dabei hatte dieser nur drei Grundsätze moderner Mitarbeiterführung angewandt:

1. Suche den Dialog mit den Mitarbeitern,

2. binde Sie in Entscheidungen ein

3. und richte dich als Führungskraft ständig neu aus.

Bekanntlich gelang im Elfmeterschießen der erste Sieg in einem Pflichtspiel gegen die Südeuropäer.

Eine ganz andere Frage drängt sich bei der Flüchtlingskrise auf: Braucht es überhaupt immer Führung? Angesichts der derzeitigen stattfindenden Freiwilligendienste zur Unterbringung Hilfebedürftiger erleben wir ein sich selbst „führendes“ Kollektiv. Offenbar können Organisationen, deren Mitglieder einen gemeinsam getragenen Sinn und Zweck verfolgen, über weite Strecken auf hierarchische Führung verzichten. Umgekehrt klingt es gefährlicher: In wie vielen Unternehmen, in denen direktive Führung vorherrscht, ist das notwendige gemeinsame Werteverständnis noch vorhanden?

Unter dem eingangs erwähnten Schlagwort Industrie 4.0 wurden die neuen Herausforderungen der Automatisierung und Digitalisierung diskutiert. Dabei kommen die etablierten Führungskonzepte, die teilweise auf Vorstellungen aus der Nachkriegszeit des letzten Jahrhunderts beruhen, ganz klar an ihre Grenzen. Menschen wollen längst nicht mehr Befehlen folgen. Sie wollen sich einbringen, jedoch nicht mit sogenannten Zielvereinbarungen, die in den wenigsten Fällen überhaupt Vereinbarungen sind, sondern Mitarbeiter wollen als selbständig denkende Menschen, die freiwillig Verantwortung übernehmen, betrachtet werden. Mitarbeiter wollen Gutes tun und sich mit ihrer Aufgabe identifizieren und dies im Rahmen eines konsensorientierten Führungsmodells.

Deshalb hat Bundestrainer Löw zumindest dies richtig gemacht. Er hat eine Mannschaft geformt, die Europameister werden wollte und er hat den Dialog und Konsens mit seinen Spielern gesucht. Auch wenn Thomas Müller das Tor nicht getroffen hat, war der Wille zum Erfolg da. Dialog ist das Führungsinstrument der Zukunft – auch bei der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland.

Wenn man ein Fazit ziehen möchte: Führung legitimiert sich in der heutigen Zeit nicht über Statusmacht. Vielmehr entscheiden die Mitarbeiter, ob sie den Dialog mit dem Chef als wertvoll erleben und ob die Führungskraft in der Lage ist, die Rahmenbedingungen bereit zu stellen, die die Mitarbeiter benötigen.

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